zurück StartseiteDer Planet AgibaraniaWesen und OrteTitelseiteInhaltsverzeichnisA 16) Der magische Sensor


Der magische Sensor
(Vanakaras Perspektive)





Vankara war so auf den schwarzhaarigen Vykati fixiert, dass sie nicht wahrnahm, wie sich der Hüter des Lichts der Gruppe näherte. Erst als Hariphor ihn fragte: „Gehe ich recht in der Annahme, dass Ihr den jungen Mann mit einem Gravitationszauber an den Boden gebunden hattet?“, bemerkte sie ihn.

Der Kartograph nickte und erklärte ruhig: „Es war unumgänglich.“

Vanakara runzelte die Stirn.

Hatte der andere Vykati nicht behauptet, Hariphor sei unvorsichtig gewesen, als er den Zauber während der magischen Instabilität ausgesprochen hatte? Wieso hatten die Vykati dies dann getan? Und war dieser Zauber vielleicht für den seltsamen Zustand des jungen Mannes verantwortlich?

Interessierte es diese magisch mächtigen Wesen möglicherweise gar nicht, was mit anderen passierte, wenn sie so unverantwortlich handelten?



Vanakara empfand das Vorgehen der Vykati als unverantwortlich.

Hariphor schien das allerdings nicht weiter bedenklich zu finden. Mit deutlichem Interesse in der Stimme fragte er: „Ihr könnt tatsächlich die Gravitation beherrschen?“

Den weiteren Gesprächsverlauf verfolgte Vanakara nicht mehr, denn ihre Gedanken kehrten zu dem jungen Vykati zurück.

Geistesabwesend starrte sie auf den Punkt, an dem die Wächter mit ihrem „Gefangenen“ im Wald verschwunden waren. Wer war für den Zustand des jungen Mannes verantwortlich? Ob man ihm helfen konnte? Hoffentlich fand er zu sich selbst zurück. Er war noch so jung und hatte doch sein ganzes Leben noch vor sich!



Vanakara wollte vom Hüter des Lichts wissen, ob die beiden Vykati für den Zustand des jungen Vykati verantwortlich waren.

Es ließ ihr keine Ruhe. Daher wandte sie sich an den Kartographen und fragte mit fester Stimme, die ihr Misstrauen nicht ganz verbergen konnte: „Hat Euer Gravitationszauber den jungen Vykati in diesen apathischen Zustand versetzt?“

Mit leichter Verzögerung entgegnete der Angesprochene wie immer emotionslos: „Nein. Die Wirkung der Sternenblumen war durch die magische Instabilität extrem verstärkt worden. Sie trafen den jungen Vykati vollkommen unvorbereitet. Sein Geist war bereits verloren, bevor wir hier eintrafen. Der Gravitationszauber hatte keinen Einfluss mehr auf ihn.“

Vanakara registrierte eine ungewohnt ausführliche Antwort. Sie beschränkte sich dieses Mal nicht auf die unbedingt notwendigen Details, wie es sonst die Art des Kartographen war. Warum nutzte er nun plötzlich so viele Worte? Wollte er sich verteidigen?

Bevor sie sich jedoch näher mit diesem Gedanken befassen konnte, fragte der Kartograph: „Mein Freund erwähnte gerade, dass Ihr mit diesem Instrument die Magieart bestimmen könnt?“

Er blickte auf den magischen Sensor in ihrer Hand. Anders als sein Freund wirkte er allerdings aufgeschlossener − soweit sie es aus dessen unergründlichen Mimik schließen konnte.

Vanakara zögerte ein wenig, doch als sie Hariphors aufmunterndes Lächeln bemerkte, nickte sie und entgegnete vorsichtig: „Darf ich es Euch vorführen?“

Der Kartograph nickte. Daraufhin nahm Vanakara ihre übliche Stellung ein und erklärte mit geschlossenen Augen die Funktionsweise des Sensors. Dann konzentrierte sie sich auf die heilsamen Schwingungen im Jada-Schrein.

Wenige Augenblicke, nachdem sie die Augen wieder geöffnet hatte, verschwand die leuchtende türkise Färbung wieder, mit der der Sensor die vorhandene Heilungsmagie anzeigte.

Sie blickte den Kartographen an. Seine Mimik verriet nichts über seine Gedanken.



Vanakara konzentrierte sich erneut auf die Heilungsmagie.

Allerdings formulierte er seine nächste Bitte sehr höflich, wie sie feststellte: „Ihr spracht bei unserem ersten Aufeinandertreffen auch von Naturmagie, die hier vorherrschen soll. Könnt Ihr mir diese auch anhand des Sensors zeigen?“.

Mit einem Mal wurde ihr bewusst, dass er ihr gegenüber nicht mehr das herablassende „du“ benutzte, wie bei ihrem ersten Zusammentreffen, sondern zu dem achtungsvollen „Ihr“ gewechselt war.

Vanakara nickte erneut und konzentrierte sich auf die Natureindrücke. Als sie die Augen wieder öffnete, wies der Sensor die dunkelgrüne Färbung der Naturmagie auf.

Der Kartograph ließ erneut keine Gefühlsregung erkennen.

Dafür reagierte der andere Vykati umso heftiger.

Mit beißendem Spott in der Stimme meinte er: „Du kannst ja mal versuchen, ob dieser angebliche Sensor auch bei dir funktioniert.“ Und nach einer kurzen Pause fuhr er im gleich Ton fort: „Vielleicht reagiert er auf dich. Du scheinst ihm ja mehr Vertrauen entgegenzubringen als ich.“



Vanakara spürte eine wachsende Spannung zwischen den beiden Vykati.

Die Miene des Kartographen blieb unbeweglich. Er blickte seinen Freund lediglich stumm an. Allerdings spürte Vanakara eine knisternde Spannung zwischen den beiden Vykati, die sich immer weiter zu steigern schien, je länger sie sich schweigend ansahen.

Schließlich, als sie die Spannung nicht mehr ertrug, durchbrach sie das Schweigen und hielt dem Kartographen mit einem Lächeln den Sensor hin.

„Bitte versucht es“, sagte sie freundlich. „Vielleicht gelingt es Euch als Hüter des Lichtes tatsächlich, die magischen Schwingungen mit dem Sensor einzufangen.“

Sie wollte ihn mit dieser Aufforderung nicht bloßstellen. Daher appellierte sie an sein Amt. Sie hoffte dadurch, den Fokus zu verschieben. Der Kartograph würde es nicht als Vykati versuchen, sondern als Hüter des Lichtes.

Im Falle des Scheiterns, wovon auszugehen war, wäre es also nicht einfach nur eine Bestätigung, dass Vykati keinen Zugriff auf den Sensor hatten, sondern dass auch der Hüter des Lichtes diesen nicht finden konnte. Es wäre einfach nur das Austesten unter einer neuen Prämisse.

Zögernd nahm der Kartograph das Gerät in die Hand und atmete einmal tief durch. Er wirkte tatsächlich nervös, dachte Vanakara ein wenig amüsiert.

Doch dann befolgte er – anders als sein Freund vor ihm − genau ihre Anweisungen. Er schloss die Augen, suchte sich einen festen Stand, legte seine Hände nochmals fest an die Scheibe und schien innerlich ruhig zu werden.

Auf einmal begannen sich die Farbflächen am Sensor zu verändern − das matte Blau wechselte in ein ausgeprägtes Türkis, zwar nicht in der Intensität wie bei ihrer Demonstration, aber dennoch deutlich erkennbar.

Diese Entwicklung überraschte sie dermaßen, dass ihr ein verwundertes Keuchen entwich. Wie war es möglich, dass dieser Vykati, der stets so distanziert und gefühllos wirkte, den Sensor zum Klingen brachte?

Nachdenklich betrachtete sie den Mann, der trotz seiner starren Miene ein wenig verwundert wirkte. Ihre Vermutung, dass dieser seine Zurückhaltung und Kälte nur als Schutzschild benutzte, um der ständigen Verehrung zu entgehen, schien sich zu bestätigen. Denn ansonsten wäre er nicht in der Lage gewesen, mit dem Sensor umzugehen.



Zu Vanakaras großem Erstaunen färbten sich die Flächen des magischen Sensors leicht türkis.

Hariphor schien wohl auch nicht mit dieser Entwicklung gerechnet zu haben, denn er fragte ganz begeistert: „Könnt Ihr auch die Naturmagie erspüren?“

Vanakara war gespannt. Bei ihrem ersten Zusammentreffen mit dem Kartographen hatte er ihren Hinweis auf die Naturmagie das Artefaktes vollkommen ignoriert und hätte es trotz der Konsequenzen für die Natur ausgegraben. Hatte er eine Vorstellung davon, was Naturmagie war?



Vanakara vermutete, dass der Hüter des Lichtes keine Vorstellung der Naturmagie besaß.

Sie beobachtete, wie er erneut ihre Anweisungen in die Tat umsetzte, doch dieses Mal reagierte der Sensor nicht. Er schien in der Tat mit dem Begriff der Naturmagie nichts anfangen zu können.

Der Kartograph wollte ihr gerade den Sensor zurückgeben, als der schwarzhaarige Vykati mit angespannter Stimme bat: „Kannst du mal versuchen, ob du die allumfassende Magie hier erspüren kannst, die mir der Magieresonanzmesser angezeigt hat?“

Von dieser seltsamen Art der Magie schien er wirklich besessen zu sein, dachte Vanakara befremdet.

Eine Magie, die andere Magiearten beherrscht! So etwas konnten sich nur die Vykati ausdenken. Sie war davon überzeugt, dass jede Magieart gleichwertig neben der anderen existierte. Es gab keine Magie, die über all diesen stand. Das widersprach der magischen Harmonie.

Doch der Kartograph nickte und nahm erneut den sicheren Stand ein. Er schloss die Augen und konzentrierte sich.

Mit einem Mal begann der Kristall zu glühen. Vanakara traute ihren Augen kaum. Auch die Felder begannen langsam die Farben zu ändern – aber nicht so, wie sie es gewohnt war, indem alle die gleiche Farbveränderung anzeigten. Nein, jedes Feld nahm eine andere Farbe an.

Und plötzlich sandte der Kristall des Sensors einen hellen Strahl ab und die Felder leuchteten in intensiven Faben auf. Selbst ihre Testungen hatten nie so hell geleuchtet.

Diese allumfassende Magie, wie der Schwarzhaarige sie nannte, musste hier mit einer magischen Macht vorliegen, wie sie diese noch bei keiner anderen Magieart im Silberwind hatte nachweisen können. Ein ungläubiges Keuchen entrang sich ihrer Kehle.

Sie blickte Hariphor an, der entgeistert auf den Sensor starrte. Was sahen sie hier? Gab es diese merkwürdige Magie etwa doch, von der der Schwarzhaarige gesprochen hatte? Sollte es eine Magieart geben, die andere Magiearten beherrschte, sie sogar unterdrücken konnte?



Vanakara erkannte mit Entsetzen, dass es die allumfassende Magie tatsächlich gab.

In diesem Moment hörte sie den Schwarzhaarige sagen: „Jetzt wissen wir, welche Art von Magie die MITF hervorruft.“

In seiner Stimme klang kein Hohn mehr, keine Arroganz. Er wirkte aufgeräumt, ja sogar fast glücklich, wie Vanakara verwundert feststellte.

Doch sie selbst fühlte sich mächtig verunsichert. Ihre Welt schien weit weniger geordnet zu sein, als sie immer geglaubt hatte.



Vanakara erkannte, dass die Welt weniger
geordnet war, als sie bislang
geglaubt hatte.

Tarodastrus'
Perspektive
Aus der Sicht der
Waldgeistfrau
Sadothus' Perspektive Aus der Sicht des
Waldgeistmannes

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