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Sadothus hatte seine innere Ruhe wiedergefunden.
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Das verstörende Erlebnis bei den Sternenblumen und Tarodastrus' anschließende Erklärung, dass Murkhus' Geist bereits vor dem Wirken des Gravitationszaubers zerrüttet gewesen war, hatten ihm aufgezeigt, dass er keine unmittelbare Schuld an dessen Zustand trug.
Dennoch blieb ein ungutes Gefühl in ihm zurück, ob er dessen ohnehin schon geschwächten Geist nicht doch noch weiter geschädigt hatte, indem er während der magischen Instabilität einen Zauber in seine Richtung gewirkt hatte. Aber immerhin raubte ihm dieser Gedanke nicht mehr halb den Verstand, wie vor der aufrüttelnden Erfahrung mit den Pflanzen, die er bis vorhin nur für Märchengewächse gehalten hatte.
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Sadothus hatte seine innere Ruhe weitestgehend wiedergefunden.
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Nun saßen er und Tarodastrus auf zwei moosbewachsene Felsen außerhalb des Jada-Schreins und überlegten, was als Nächstes zu tun sei.
Sadothus hatte Tarodastrus erzählt, dass er Murkhus aus der Reichsglorie kannte und dass dieser schon einmal durch Selbstüberschätzung negativ aufgefallen war. Mehr sagte er nicht. Die Details verschwieg er. Zum einen interessierten sie seinen Freund nicht, zum anderen musste er sich an die Abmachung der Gilde halten, Murkhus' Fehler zu vertuschen.
Allerdings bestand Tarodastrus darauf, den jungen Vykati wieder in die Reichsglorie zu bringen.
Wenn es nach Sadothus gegangen wäre, hätte dieser unwürdige Tunichtgut hier jedoch auch verloren gehen können. Aber neutral betrachtet, hatte sein Freund natürlich recht.
Nur wie sollten sie dies bewerkstelligen?
Tarodastrus und er besaßen nur ein einfaches Zeitdurchbrechungs-Amulett, das lediglich eine einzelne Person an einen anderen Ort versetzen konnte.
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Sadothus kannte aus eigener Erfahrung ein Amulett, mit dem in Gruppen gereist werden konnte.
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Im Zuge seiner diversen Expeditionen zu vergrabenen Artefakten hatte Sadothus jedoch auch schon Erfahrung mit einem weiteren Reise-Amulett machen müssen, das mehr als nur eine Person transportierte.
Bereits fünfmal war er von jeweils zwei Wächtern der Gesetze zurück in die Reichsglorie gebracht und anschließend mit einem Ortsbann belegt worden, weil er sich unberechtigt in einem für ihn gesperrten Gebiet aufgehalten hatte. Er hatte Tarodastrus nie davon erzählt, denn Niederlagen wurden traditionell verschwiegen – und daran hielt sich auch Sadothus.
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Also erklärte er eher vage: „Ich habe mal gehört, dass die Wächter des Gesetzes ein Amulett besitzen, mit dem sie in Gruppen reisen können. Wenn sie einen Gefangenen über eine größere Entfernung transportieren müssen, würde so etwas ja auch Sinn ergeben.“
Nach einem kurzen Nachdenken entschied Tarodastrus: „Hole du den Wächter. Du erträgst das Reisen besser als ich.“
Nein!, dachte Sadothus sofort. Er würde sich bestimmt nicht freiwillig in die Nähe von Gesetzeswächtern begeben! Dazu hatte er ein viel zu angespanntes Verhältnis zu diesen.
„Ich glaube, dass besser du reisen solltest“, entgegnete er daher in sachlichem Ton. „Du kennst meinen Ruf unter den Vykati. Ich glaube, dass das Wort des Hüters des Lichtes viel mehr Eindruck machen würde als eine Aussage des verachtenswerten Subjektes, mit dem sich dieser ständig abgibt.“ Er grinste schief.
Tarodastrus reagierte nicht auf seine Äußerung, die er ironisch hatte ausdrücken wollen, die allerdings ein wenig bitter herausgekommen war. Das Gefühl, welches er bei den Sternenblumen empfunden hatte, dass er ein Teil von allem war und ohne Kompromiss akzeptiert wurde, hatte ihm schmerzlich bewusst gemacht, welchen negativen Status er in der Gemeinschaft der Vykati innehatte. Gleichzeitig führte es ihm aber auch erneut vor Augen, wie wichtig für ihn die enge Freundschaft zu Tarodastrus war.
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Plötzlich erhob sich Tarodastrus, während sein Blick auf einen Punkt außerhalb des Jada-Schreins gerichtet war.
Als Sadothus seine Aufmerksamkeit in die Richtung lenkte, bemerkte er die beiden Waldgeister, die sich mit langsamen Schritten der Lichtung näherten.
Anders als Tarodastrus, blieb Sadothus jedoch sitzen, während er ihnen entgegenblickte. Er ging davon aus, dass diese beiden ohnehin nur mit dem Hüter des Lichtes reden wollten.
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Plötzlich erhob sich Tarodastrus, seinen Blick auf einen Punkt außerhalb des Jada-Schreins gerichtet.
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Der Waldgeistmann hatte ja gezeigt, welch einen Eindruck die Erwähnung des Namens seines Freundes auf ihn machte. Zudem war es Sadothus gewohnt, Tarodastrus die Mittelpunktstellung zu überlassen, die ihm von anderen zugedacht wurde, auch wenn dieser sie nur mit Widerwillen annahm.
Neugierig blickte Sadothus den Waldbewohnern entgegen. Jetzt, da die Aufregung vorüber war, konnte er sich näher mit ihnen befassen − und er musste Tarodastrus beipflichten: Die Waldgeister schienen nicht dem Bild zu entsprechen, das die Vykati über diese hatten. Die Frau unterschied sich im Aussehen − bis auf die befremdliche grüne Farbe und die großen spitzen Ohren, die er jedoch schon von den Elfen kannte − nicht sonderlich von den Vykatifrauen, stellte er fest, als er sie prüfend von oben bis unten betrachtete.
Vykatifrauen waren kühl und berechnend. Da sich diese Waldgeistfrau vom Aussehen her nicht großartig von den weiblichen Wesen seines Volkes unterschied, erwartete Sadothus auch keine besonderen Abweichungen in ihrem Verhalten.
Ihm fiel lediglich auf, dass sie ein wenig müde wirkte und gleichzeitig ziemlich erschrocken aussah.
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Sadothus beobachtete die Waldgeistfrau, die sich an Tarodastrus wandte.
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Sie wandte sich an Tarodastrus mit den leisen und ein wenig zittrig gesprochenen Worten: „Was ist hier passiert?“ Dabei suchte sie die Lichtung ab.
Als sie ihre Augen hinauf zu den Jada-Eichen richtete, entfuhr ihr ein erschrockenes Keuchen. Sadothus folgte ihrem Blick und erkannte, dass sie den Riss anstarrte.
„Das war Euer Gefährte“, erklärte er rasch, bevor jemand ihm oder Tarodastrus die Schuld zuschieben konnte. „Er war so unvorsichtig, einen Zauber zu sprechen, der sich direkt in der Jada-Eiche niederschlug.“
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Ihn überraschte nicht, dass die Waldgeistfrau nun einen entsetzten Blick auf den Waldgeistmann warf. So ähnlich hätten auch Vykatifrauen reagiert, dachte Sadothus, nur eben wesentlich kontrollierter mit unterkühlten Blicken. Er fühlte sich in seiner Annahme bestätigt, dass sich Waldgeistfrauen und Vykatifrauen nicht sonderlich in ihrem Verhalten unterschieden.
Der Waldgeistmann hatte den Kopf gesenkt und murmelte: „Ich habe einen Korvum-Raben herbeigerufen. Ich wollte dich nicht allein lassen und musste doch wissen, was hier vor sich ging.“
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Irritiert beobachtete Sadothus daraufhin, wie die Waldgeistfrau die Hand ihres Gefährten ergriff und mit sanfter Stimme erklärte: „Es ist ja nur ein Riss, Hariphor. Die mächtige Heilungsmagie des Artefakts wird es schon wieder richten.“
Das war untypisch für eine Frau, dachte Sadothus verwirrt. Frauen verziehen keine Fehler.
Doch der Waldgeistmann schien dieses Verhalten nicht ganz so unglaubwürdig zu empfinden. Sadothus konnte beobachten, wie er seinen Mund zu einem vorsichtigen Lächeln verzog.
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Irritiert beobachtete Sadothus, wie die Waldgeistfrau den Waldgeistmann tröstete.
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Unterschieden sich Waldgeistfrauen vielleicht doch von Vykatifrauen? Oder spielte diese hier nur mit dem Waldgeistmann? Sadothus war sich nicht sicher.
Da hörte er Tarodastrus in Richtung der Waldgeister sagen: „Ich werde einen Gesetzeswächter holen müssen, um den jungen Vykati in unser Gebiet zurückbringen zu lassen. In dieser Zeit bitte ich Euch, gemeinsam mit meinem Freund ein Auge auf ihn zu haben. Sein Zustand ist instabil, und ich möchte nicht, dass er unbeaufsichtigt bleibt oder dem Jada-Schrein erneut schadet.“
Sadothus blickte seinen Freund verwundert an.
Murkhus war zum einen mit einem starken Gravitationszauber am Boden gebunden, von dem er sich − selbst mit einem gesunden Geist − nicht selbst hätte befreien können. Zum anderen war er im momentanen geistigen Zustand nicht einmal ansatzweise fähig, irgendeine Handlung durchzuführen. Also warum stellte Tarodastrus den jungen Vykati dann als so gefährlich dar, dass er die Waldgeister bat, Sadothus bei der Bewachung desselben zu unterstützen?
Plötzlich ging ihm ein Licht auf. Es ging Tarodastrus gar nicht um Murkhus, sondern um ihn, um Sadothus selbst. Tarodastrus machte sich Sorgen, dass er vielleicht wieder die Nähe der Sternenblumen suchen könnte, wenn er unbeobachtet war.
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Sadothus konnte selbst nicht ausschließen, dass er sich den Sternenblumen wieder nähern würde.
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Nun ja, musste Sadothus sich eingestehen, so ganz von der Hand zu weisen war die Gefahr nicht. Das Gefühl von allumfassender Akzeptanz, das er bei den Sternenblumen gespürt hatte − auch wenn es nur vorgetäuscht war − kannte er bislang nicht. Lediglich von Tarodastrus war ihm diese Akzeptanz stets entgegengebracht worden.
Würde sein Freund ihn hier allein zurücklassen, konnte Sadothus nicht ausschließen, dass er erneut ins Grübeln geriet und das Versprechen der Sternenblumen umso verlockender auf ihn wirkte.
Eine dankbare Wärme stieg in ihm auf.
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In diesem Moment erklärte der Waldgeistmann: „Wenn Vanakara einverstanden ist, werden wir Eurer Bitte nachkommen. Allerdings geht ihre Gesundheit vor. Sollte sie sich lieber zurückziehen wollen, werde ich sie begleiten.“
Daraufhin nickte auch die Waldgeistfrau, drehte sich dann aber zu Tarodastrus um und fragte interessiert: „Hariphor erzählte, Ihr seid der Hüter des Lichtes?“
Sie zeigte keinerlei Bewunderung oder Anbiederung, stellte Sadothus irritiert fest. Er nahm lediglich Neugier in der Stimme wahr. Diese Waldgeistfrau verhielt sich anders, als er es aus seiner eigenen Welt kannte.
Bei den Vykati veränderte sich der Umgang mit Tarodastrus fast immer, sobald jemand erfuhr, wer er war. Dann legten sich unweigerlich unausgesprochene Erwartungen in jedes Gespräch.
Doch die Waldgeistfrau bekundete keine solchen Erwartungen. Ihr Interesse galt nicht seiner Person, sondern allein der Information. Das verwirrte Sadothus mehr, als er erwartet hätte.
Als sie dann fragte: „Warum habt Ihr dies bei unserem ersten Zusammentreffen nicht erwähnt?“, war Sadothus von dem abweichenden Verhalten der Waldgeistfrau noch immer dermaßen irritiert, dass er ohne nachzudenken antwortete: „Diese Information gibt er nie freiwillig preis.“
Tarodastrus' Blick, der ihn daraufhin traf, glich einem kühlen Fragezeichen. In diesem Moment erkannte Sadothus, dass er zu weit gegangen war, und es tat ihm leid. Doch rückgängig machen konnte er diese Bemerkung nicht mehr. Vielleicht würde er sie ihm später erklären, dachte er mit einem etwas schlechten Gewissen.
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Als Sadothus Tarodastrus' verwunderten Blick auf sich fühlte, wusste er, dass er zu weit gegangen war.
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Tarodastrus' Perspektive
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Aus der Sicht der Waldgeistfrau
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Sadothus' Perspektive
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Aus der Sicht des Waldgeistmannes
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