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Magische Instabilitäten
(Hariphors Perspektive)







An diesem Morgen hatte Hariphor den Knotenpunkt im Zentrum des Silberwindhains überprüft. Doch heute schien ein Ungleichgewicht vorzuherrschen. Allerdings konnte er nicht direkt erkennen, welches Problem vorlag − und das irritierte ihn kollossal.

Normalerweise erkannte er immer recht schnell, welche Art von Problem das Gleichgewicht störte. Mal war es das übermäßige Wachstum einer Baumart, ein anderes Mal der Befall eines Teils des Waldes von Schädlingen, dann wiederum eine durch einen Magieunfall verursachte oder absichtlich herbeigeführte Vergiftung des Bodens...

Hariphor war irritiert darüber, dass er den Grund des Ungleichgewichtes am magischen Knotenpunkt nicht erkannte.

Aber dieses Mal? Er hatte nicht den Hauch einer Ahnung, was das Ungleichgewicht auslöste.

Immerhin erkannte Hariphor, dass die Quelle im Westen lag.

Eigentlich hätte er heute den Weg gen Osten einschlagen wollen, aber dieses rätselhafte Ungleichgewicht rief ihn in den Westen. So machte er sich umgehend auf den Weg zum westlichen magischen Knotenpunkt im Silberwindhain.

Vielleicht, so dachte Hariphor, würde ihm dieser Knotenpunkt mehr Auskunft über die Störung geben können.



Hariphor sah einen Korvum-Raben auf sich zufliegen.

Als er die Hälfte des Weges zurückgelegt hatte, bemerkte er einen Korvum-Raben, der gezielt auf ihn zugeflogen kam.

Verwirrt schaute er ihm entgegen. Wer um alles in der Welt schickte ihm eine Nachricht?

Wenn er nicht von Vanakaras Abneigung gegen diese Vögel gewusst hätte, hätte er ja sie als Absender vermutet, da er aus dem Westen kam. Aber das konnte nicht sein. Hatte es mit diesem merkwürdigen Ungleichgewicht zu tun?

Er hielt dem Raben seinen Unterarm hin, damit dieser darauf Platz nehmen konnte. Kaum saß der Rabe auf dem Arm krächzte er: „Vanakara bittet Euch umgehend zum Jada-Schrein zu kommen. Es liegt irgendetwas Merkwürdiges in der Luft.“

Im ersten Moment glaubte Hariphor, sich verhört zu haben, doch dann rasten seine Gedanken. Vanakara! Korvum-Rabe! Jada-Schrein!

Es musste äußerst dringend sein, sonst hätte die Waldgeistfrau niemals einen Botenvogel geschickt.

Hariphor begann loszurennen, auf direktem Wege zum Jada-Schrein.

Noch lange, bevor er den Ort erreichte, erkannte Hariphor die ersten Anzeichen − schon viele hundert Schritte vorher ließ sich die drohende Veränderung nicht länger übersehen. Die Luft vibrierte und je näher er seinem Ziel kam, umso mehr schien die Natur in Bewegung zu geraten − selbst der Boden bewegte sich, als liefe er über ein in der Luft hängendes Tuch.

Zudem fiel es ihm zunehmend schwerer, seine Gedanken fokussiert zu halten. Immer wieder übermannten ihn seltsame Gefühle. Sie wechselten zwischen absoluter Harmonie und grausamen Angstszenarien. Es wirkte fast so, als würden plötzlich überall Sternenblumen aus dem Boden sprießen, und als er sich umsah, meinte er tatsächlich diese aus dem Boden brechen zu sehen. Doch kaum sah er genauer hin, waren sie wieder verschwunden.

Als der Jada-Schrein in Sichtweite geriet, erblickte er mit einem Mal Vanakara am Boden kauernd. Oder doch nicht? Er traute seiner Wahrnehmung nicht mehr.

Dennoch lief er auf sie zu. Sie verschwand nicht, anders als die Sternenblumen, die er nach wie vor um sich aus dem Boden schießen zu sehen glaubte. Es wirkte so, als habe sie sich erbrochen. Sie zitterte am ganzen Leib.

„Vanakara!“, rief er in Panik und eilte zu ihr hin. „Ist alles in Ordnung?“



Hariphor erblickte Vanakara am Boden kauern.

Sie nickte und stöhnte: „Mein Kopf! Es ist unerträglich!“ Dann versuchte sie ein Lächeln und keuchte: „Gut, dass du da bist... Ich weiß nicht, was hier los ist!“

Sie kippte um und blieb zitternd liegen. Hariphor beugte sich zu ihr „Vanakara!“

Wenn er nur seine Gedanken besser fokussieren könnte! Er konnte keine Entscheidung treffen. Ihm fiel das Denken schwer. Immer noch wechselten seine Gefühle zwischen Euphorie und Entsetzen, sah er Dinge, die nicht da waren − oder doch?

Dort hinten, zum Beispiel, er könnte schwören, dass dort zwei Männer angerannt kamen. Hellhäutige, wie vor gut einem Monat der Kartograph − aber im Gebiet der Waldgeister gab es solche Wesen nicht. Es musste wieder eine Einbildung sein!



Hariphor war sich nicht sicher, ob er zwei hellhäutige Männer sah oder ob er sie sich nur einbildete.

Er glaubte, den Kartographen von damals zu erkennen, doch dieses Mal umgab ihn eine strahlende Aura. Er war gekommen, sie zu retten! Gleichzeitig nahm er den Mann daneben als Bedrohung wahr. Dieser wollte sie vernichten! Doch er konnte es nicht verhindern.

Sein Geist verlor sich in seinen Gefühlen. Er konnte weder den Silberwindhain noch Vanakara noch den Jada-Schrein retten. Alles war verloren!

Als er seine Gedanken auf den Silberwindhain richtete, klärten sie sich plötzlich.

Er nahm die unnatürlichen Sprünge in der Umgebung weiterhin wahr, aber das Gefühlschaos in seinem Inneren ebbte ab, er konnte sich wieder auf das Wesentliche konzentrieren. Hariphor war überzeugt: Der Wald hatte ihn geerdet!

Bevor er den beiden Vykati nachjagen konnte, die inzwischen an ihm vorbeigerannt waren, musste er sich um Vanakara kümmern. Er konnte sie hier nicht unbeobachtet liegen lassen, er konnte sie aber auch nicht aus der Gefahrenzone hinaustransportieren. Und sie weiter ins Zentrum der magischen Instabilität zu transportieren, kam auch nicht in Frage. Was konnte er tun?

Hilflos blickte er zum Himmel auf, da kam ihm eine Idee. Doch noch eher er sie in die Tat umsetzen konnte, hörte er von der Lichtung her panische Schreie: „Nein! Nein! Ich will da nicht runter! Nein!“



Hariphor überlegte, was er mit
Vanakara machen sollte.

Tarodastrus'
Perspektive
Aus der Sicht der
Waldgeistfrau
Aus der Sicht des
jungen Vykati
Sadothus' Perspektive Aus der Sicht des
Waldgeistmannes

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