zurück StartseiteDer Planet AgibaraniaWesen und OrteTitelseiteInhaltsverzeichnisA 5) Der Jada-Schrein


Der Jada-Schrein
(Vanakaras Perspektive)



Auf dem Weg zum Jada-Schrein liefen Vanakara und der Vykati schweigend nebeneinander her. Das gab Vanakara Zeit, noch einmal gründlich über ihre Entscheidung nachzudenken.

Die Waldgeister konnten die Vykati nicht aufhalten, sollten diese sich vorgenommen haben, das Artefakt aus dem Jada-Schrein zu entwenden. Die Elfen würden dies vermutlich auch nicht auf Dauer verhindern können.

So blieb Vanakara nur die Möglichkeit, diesen Vykati davon zu überzeugen, dass das Artefakt im Boden verbleiben musste. Ungewiss war nur, ob ihr das gelingen würde.

Immer wieder drängten sich bange Fragen in ihr Bewusstsein: War der Schutzschirm über dem Jada-Schrein noch intakt? Wie würde sich der Vykati verhalten, wenn er endlich ungehindert Zugriff auf das Artefakt hatte? Waren die seltenen magischen Pflanzen in Gefahr, wenn Vanakara ihm diese zeigte?

Schweigend liefen der Vykati und Vanakara nebeneinander her.

Es war ein riskantes Spiel, auf das sie sich eingelassen hatte, das war ihr durchaus bewusst. Und nahezu bei jedem dritten Schritt überkamen sie Zweifel, ob sie wirklich das Richtige tat. Doch jedes Mal meldete sich sofort diese Stimme im Hinterkopf, die ihr leise zuflüsterte: „Du hast keine andere Wahl!“



Vanakara erkannte schon von weitem den Jada-Schrein.

Als sie von weitem den Jada-Schrein bemerkte, begann sie den Vykati neben sich heimlich zu beobachten. Wenn der Schutzschirm noch bestand, würde der Fremde nichts weiter sehen als eine leere Lichtung. Sie hingegen bemerkte durchaus die vier dicken Jada-Eichen, die wie aus einer einzigen dicken Wurzelknolle gewachsen bis hinauf in den Himmel ragten, davor den großen, mit roten Rubinmoos bedeckten Felsen.

Doch der Vykati behielt sein stoisches Gesicht bei, zeigte keine Regung. Innerlich seufzte Vanakara auf. Es wäre ja auch zu schön gewesen, hätte er jetzt endlich mal eine Gemütsregung gezeigt!

Schließlich hielt sie vor dem Jada-Schrein an. Der Vykati blickte sich kurz um und hob dann fragend eine Augenbraue.

Konnte sie dies als Zeichen dafür werten, dass er nichts als die leere Lichtung sah?, überlegte sie und konnte nicht verhindern, dass sich hoffnungsvolle Erleichterung in ihr breit machte.

Denn das würde bedeuten, dass der Schutzschirm weiterhin so funktionierte, wie er sollte. Aber wenn der Schutzschirm noch wirkte, wie konnte der andere Vykati dann bis zum Jada-Schrein vordringen?

„Wisst Ihr, wie Euer Auftraggeber zum Jada-Schrein gelangen konnte?“, fragte sie den Vykati nachdenklich.



Der Vykati schien den Jada-Schrein nicht sehen zu können.

Der Vykati schaute sie schweigend an mit dieser undurchdringlichen Mimik.



Vanakara überlegte, wie der andere Vykati durch den magischen Schutzschirm gekommen sein könnte.

„Ich frage das nur“, führte sie weiter aus, da das unbewegliche Gesicht sie nervös machte, „weil über dem Jada-Schrein ein magischer Schutzschirm liegt, der verhindert, dass Fremde diesen finden können.“

Mit kühler Stimme antwortete der Vykati: „Der Schutzschirm wird nicht effektiv genug sein.“

Vanakara ließ sich die Antwort durch den Kopf gehen und meinte dann: „Könnt Ihr ihn auch überwinden?“

Die Antwort bestätigte ihre Vermutung, dass der Vykati den Jada-Schrein nicht sehen konnte und dieser somit weiterhin seine Wirkung tat.

Denn ihr Begleiter entgegnete: „Führt mich zu dem Ort.“

Sie konnte ein Schmunzeln nicht unterdrücken.

Doch noch einmal zögerte sie, den letzten Schritt zu tun. Sollte sie dem Vykati tatsächlich Zugang zum Jada-Schrein gewähren? Einmal die magische Barriere überwunden, würde er immer wieder herkommen können.

Es ist die einzige Option, die du hast, um die Vykati davon abzuhalten, das Artefakt zu stehlen, meldete sich wieder die leise Stimme im Hinterkopf.

Sie holte tief Atem und forderte ihn dann auf: „Gebt mir Eure Hand.“

Sie meinte, eine leichte Irritation in dem Blick des Vykati zu bemerken. Doch nach einem kurzen Zögern reichte er ihr die seine. Sie ergriff sie und forderte ihn auf: „Kommt mit.“ Dann zog sie ihn zum Jada-Schrein.

Sie beobachtete seine Reaktion. Kaum hatte er die Lichtung betreten, stand er wie erstarrt − keine Regung in seinem Gesicht. Aber seine Augen weiteten sich für einen Augenblick um eine kaum wahrnehmbare Nuance.

Er hatte den Schutzschirm nicht allein durchbrechen können, das war nun eindeutig und beruhigte sie ungemein. Dennoch blieb die Frage offen, wie der andere Vykati hatte hierher gelangen können.

Vanakara gab dem Vykati ausreichend Zeit, die starken Sinneseindrücke, die hier herrschten, zu verarbeiten. Vermutlich war er überwältigt von dem, was er sah, hörte und fühlte, aber das ließ er nicht durchblicken.

Das Volk der Vykati schien insgesamt nicht viel davon zu halten, seine Emotionen zu zeigen, überlegte sie. Vielleicht war dieser Vykati gar nicht so gefühlskalt, wie sie zunächst angenommen hatte, sondern war nur äußerst diszipliniert und kontrolliert.



Der Vykati erstarrte, als er den Jada-Schrein betrat und von den Sinneseindrücken hier nahezu erschlagen wurde.

Als er ihren Blick bemerkte, spürte sie, wie er sich zusammenriss, seine kühle, undurchdringliche Maske wieder aufzusetzen. Dann nickte er ihr zu, was wohl einem vykatianischem Dank gleichkam, dachte sie, und schien darauf zu warten, dass sie ging.

Doch ihre Mission fing gerade erst an. Sie musste den Vykati von ihrer Sicht auf die Dinge überzeugen.

Daher meinte sie ganz unverfänglich, während sie auf den Felsen zeigte: „Habt Ihr jemals ein solch rotes Moos gesehen?“



Vanakara wies den Vykati
auf das Rubinmoos hin.

Tarodastrus'
Perspektive
Vanakaras Perspektive

Impressum Sitemap Links Feedback